13:06:43 28.07.2008 :: SWISS Magazine Report Eiselin/SAND-X
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SWISS ONBOARD MAGAZINE July / August Edition 2008 from: Thomas Linkel
Urs Eiselin, ehemaliger Weltranglisten-Snowboarder aus Luzern, baut in Dubai den Dünenflitzer „Sand-X“. Nach nur einem Jahr Firmengeschichte reißen Motorsport begeisterte Einheimische ihm seine Erfindung fast schon aus der Werkstatt.
Text:
Dubai City, Jumeihra Beach. Wer hier – am Strandclub gleich neben dem sagenumwobenen Sieben-Sterne-Hotel „Burj Al Arab“ – seine Freizeit verbringt, ist wirklich reich. Ein Mittagessen kostet gerne mal 200 Dollar. Und doch macht sich manchmal ein leichtes Unwohlsein unter den jungen und schönen Gästen breit. Als würde sie das ständige Flirten und ewige Surfen allmählich langweilen. Als wäre es Zeit für einen neuen Kick.
„Runterlassen, Bong! Schön langsam!“
Nur wenige hundert Meter entfernt in einer Garage: Urs Eiselin, ein 32jähriger Luzerner mit zerwühlten dunkelblonden Haaren, baut gerade zusammen mit seinem philippinischen Mechaniker Melchon „Bong“ Bugago den Motor in ein Sand-X. Mit einer Geste bittet er uns um einen Moment Geduld. Auf den ersten Blick sieht das Gefährt aus wie ein Schneemobil, das auf Reifen gestellt wurde. Was tatsächlich stimmt. Doch nach dem Umbau in dieser Garage ist es das schnellste Sandfahrzeug der Welt. Es beschleunigt von 0 auf 100 in unter drei Sekunden und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 185 Kilometern pro Stunde.
Im Schatten vor seiner Garage erzählt er, wie es einen Luzerner in die Nachbarschaft des Burj Al Arab verschlägt.
Alles was Urs Eiselin in seinem Leben angestellt hat, drehte sich im Grunde nur um eines: Geschwindigkeit.
Geboren als Sohn des Krienser Bergsteigers und späteren Sportartikelhändlers Max Eiselin, verbrachte er seine Kindheit weitgehend auf Skiern und in den Bergen. Ende der 80er Jahre wagten er und sein zwei Jahre älterer Bruder Andreas sich erstmals aufs Snowboard. 1992 bestritt er sein erstes Rennen. Danach fuhr er zehn Jahre lang auf der Snowboard-Weltcup Tour. 80 Podestplätze und die Vizeweltmeisterschaft 2005 sind dabei herausgekommen. „Die Zeit auf der Worldcup Tour war super!“ Eiselin lacht. „Wir fuhren einen Tag in Sapporo Snowboard, und während die anderen Teams nach Hause flogen, saßen wir schon im Flieger nach Hawaii zum Surfen, bis es zum nächsten Weltcup ging. Nur das Boarden alleine wäre mir zu langweilig gewesen.“
2004 kam der Abend, der sein Leben verändern sollte. „Nachdem wir Jahre lang immer wieder Snowmobiles gefahren sind, kam Andreas beim Bier auf die Idee, dass das doch auch auf Sand gehen müsste.“ Urs war sofort begeistert. Denn: „Wer nichts ausprobiert, erlebt auch nichts.“
Schon am nächsten Tag bestellten sie ein gebrauchtes Schneemobil aus den USA. Schnell war klar, dass sie das nicht alleine umbauen konnten. Mit ein paar Ingenieuren und Mechanikern begannen sie den Umbau.
„Wenn wir damals gewusst hätten, wie schwer es sein würde, hätten wir wahrscheinlich aufgegeben“. Eiselin grinst. Getestet wurde zunächst bei Nacht und Nebel in Italien am Strand von Viareggio. „Beim ersten Mal 2004 fuhr das Ding hundert Meter, dann war Schluss. Total überhitzt blieb es in einer Rauchwolke liegen. Schnee und Sand sind eben grundverschieden.“
Letztlich fanden Eiselin und sein Team heraus, dass sie ein Schneemobil 250 Veränderungen unterziehen mussten, bis es auch auf dem Sand funktionierte.
Als sie nach zwei Jahren endlich mit dem Testen fertig waren, hatte Eiselin keine Lust mehr auf noch eine Saison im Weltcup.
„Zwei Wochen vor dem Sommertraining letztes Jahr habe ich meinen Trainer angerufen und ihm gesagt, dass ich zurücktrete.“
Mittlerweile hat sich Eiselins Freundin Tiziana zu uns gesellt, eine schwarzhaarige 26jährige, die als Einkäuferin für eine Boutiquenkette arbeitete, bis sie mit ins Sand-X-Geschäft einstieg. Andreas organisiert den gesamten Einkauf und die Verschiffung von den USA nach Dubai, viele Kleinteile bauen Tiziana und Urs im Garten hinter der Garage zusammen.
Eiselin fragt uns, ob wir das Sand-X in Aktion sehen wollen. Natürlich! Also lädt er das gerade fertig gestellte Fahrzeug auf einen Hänger und dann fahren wir gemeinsam an den Rand der Wüste, die Dubai von drei Seiten umgibt.
„Als wir das erste Mal in Dubai waren“, plaudert Urs am Steuer, „sind wir einfach in die Dünen gefahren. Die Umstellung vom Sandstrand auf die Wüste war enorm. Die Filter verstopften im Nu, Meeressand ist viel grobkörniger als Wüstensand.“
Trotzdem waren die Brüder überzeugt, dass die Idee in Dubai funktionieren würde. In die Wüste fahren ist in Dubai Volkssport. Das Sand-X mit zwei jungen Schweizern viel sofort überall auf und so kamen sie bald in Kontakt zu Scheichs und Geschäftsleuten.
Wir kommen am Rand der Wüste an. Urs fährt das Sand-X vom Trailer. Dann steht es da, am Beginn der ersten Düne. Bong erklärt: Mit einem Hebel regelt man die Geschwindigkeit, gebremst wird wie beim Fahrrad. „Willst Du mal?“, fragt Eiselin. Klar. „Ich fahre aber nur 30. Höchstens!“
Die Männer nicken verständnisvoll und schmunzeln. Vorsichtig steige ich auf und gebe Gas. Ich sitze wie auf einem Fernsehsessel. Schon nach einer Minute verschwende ich keinen Gedanken mehr daran, dass ich vielleicht fallen könnte. Nachdem ich die zweite Düne umfahren habe, schaue ich auf das Tachometer. Es zeigt 105 Kilometer pro Stunde! Als ich das Sand-X abstelle, lachen Urs und Tiziana. „So geht das jedem!“
Zum Abschluss des Tages lädt uns Eiselin noch zum Abendessen ein. Wir sitzen auf einem großen Teppich vor dem Haus. Am Himmel zeigen sich die ersten Sterne, aus den Häusern ringsum schimmert Licht. „Was wir hier erleben, werden wir ein Leben lang nicht vergessen! Wir genießen jeden Augenblick, den wir zusammen haben“, sagt Urs Eiselin und legt einen Arm um seine Freundin.
Er mit 60 bis 70 verkauften Sand-X in diesem Jahr. Könnte sein, dass es bald leerer wird im Jumeira Beachclub. Weil die jungen Schönen ihren neuen Kick gefunden haben.
Letzte Aktualisierung 13:07:55 28.07.2008
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